Hinweise der Bundessteuerberaterkammer zur Existenzgründungsberatung

Die Bundessteuerberaterkammer hat sich mit neuen "Hinweisen für die Tätigkeit des Steuerberaters als Existenzgründungsberater" zu Wort gemeldet. Es handelt sich um einen Beschluss des Präsidiums vom 29.06.2011.

Dazu wird festgestellt, dass es sich bei der Existenzgründungsberatung um eine wirtschaftsberatende Tätigkeit handelt, die gemäß § 57 Abs. 3 Nr. 2 StBerG bzw. § 15 Satz 1 Nr. 1 BOStB mit der Tätigkeit eines Steuerberaters vereinbar ist.

Wichtigste berufsrechtliche Voraussetzung ist, dass der Steuerberater bei der Auftragsannnahme über die erforderliche Sachkunde verfügt. Aufgrund seiner Ausbildung und seines Fachwissens geht die Kammer davon aus, dass sich der Steuerberater für diese Aufgabe eignet und erwähnt als besonderen Vorteil, dass er auch nach der Unternehmengründung den Mandanten weiter betreuen kann.

Weiterhin folgt eine Tätigkeitsbeschreibung, in der die Erstellung des Businessplans, die Fördermittelberatung und weitere Tätigkeiten angeführt.

Schließlich wird auf den notwendigen Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung und einer Honorarvereinbarung hingewiesen, da die Steuerberatergebührenordnung diese Tätigkeit nicht erfasse.

Resümee: Keine besonderen Neuigkeiten.

Investitionsabzugsbetrag – ist die verbindliche Bestellung vom Tisch?

Nachdem der Bundesfinanzhof (BFH) gerade für Existenzgründer die Nachweispflichten für die Inansprucknahme der Vorgängerin der Investitionsabzugsbetrags, der damaligen Ansparrücklage, mit dem Nachweis der verbindlichen Bestellung bewusst hoch angesetzt hatte, scheint die gesetzliche Änderung beim Investitionsabzugsbetrag auch eine Änderung der Rechtsprechung zur Folge zu haben.

Das Finanzgericht München hat zuletzt entschieden (AZ 2 K 655/10), dass der Nachweis der verbindlichen Bestellung wie im Falle der Ansparrücklage auch für Existenzgründer von der Finanzverwaltung nicht mehr verlangt werden kann. Dies erstaunt nicht, da die gesetzliche Grundlage des § 7g EStG sich dahin gehend geändert hat, dass durch den steuerlichen Abzugsbetrag das steuerliche Ergebnis nicht mehr ungehindert auf andere Kalenderjahre verschoben werden kann. Wird der Investitionsabzugsbetrag in den drei Folgejahren nicht genutzt, so ist der steuerliche Abzugsbetrag dem Kalenderjahr wieder hinzuzurechnen, in dem er zum Abzug gebracht wurde. Im Gegensatz dazu würde die Ansparrücklage erst in dem Kalenderjahr wieder aufgelöst (hinzugerechnet), in dem die Rücklage endgültig nicht in Anspruch genommen wurde.

Mit dieser – überzeugenden – Begründung hat das Finanzgericht München auch die Revision zum Bundesfinanzhof nicht zugelassen. Die Finanzverwaltung hat jedoch dagegen Nichtzulassungsbescherde eingelegt (AZ X B 232/10), so dass damit eine endgültige Entscheidung über die verbindliche Bestellung ansteht. Angesichts der Begründung des Finanzgerichts stehen die Chancen für Existenzgründer allerdings gut.

Abrechnungserleichterungen beim Gründungscoaching

Mit Schreiben vom 02.07.2010 hat die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) folgende Vereinfachungen bei der Abrechnung des Gründercoachings bekannt gegeben:

Eigenkapitalnachweis: Es muss nur mehr der Nettobetrag den der Gründer zu tragen hat, durch Überweisung nachgewiesen werden. Die darauf entfallende Umsatzsteuer und etwaige sonstige Kosten, wie z.B. Reisekosten und Auslagenersatz, sind nicht mehr nachzuweisen, da sie ohnehin nicht förderfähig sind.

Vorsteuerabzug: Falls der Gründer nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt ist, muss weiterhin der Bruttobetrag (einschließlich Umsatzsteuer) durch Zahlung nachgewiesen werden. In diesem Fall ist aber auch die anteile Umsatzsteuer förderfähig.

Lastschriftverfahren: Neben der Überweisung ist nunmehr auch das Lastschriftverfahren als Zahlungsnachweis zulässig.

Insgesamt gesehen ist die Vereinfachungsregelung zu begrüßen, da sie ohnehin schon überfällig war.

Vorgründungs- und Gründercoaching durch Steuerberater

Während die betriebswirtschaftliche Beratung seit jeher zu dem Kerntätigkeitsbereich eines Steuerberater gehört, ist das Coaching von Existenzgründern erst im letzten Jahrzehnt in den Vordergrund gerückt. Der Aufstieg des Coachings dürfte nicht unwesentlich mit der gewährten staatlichen Förderung zusammenhängen.

Unter Coaching versteht man die zielorientierte berufliche Begleitung (hier) von Selbständigen, ansonsten aber auch insbesondere von Führungskräften. Es dient der Förderung der Lernfähigkeit zur Beherrschung wirtschaftlicher Abläufe.
Die hierfür bereit bereit gestellten Fördermittel sind vielfältig. Beim Vorgründungscoaching erfolgt die Förderung auf der Ebene der Bundesländer. Sie beträgt meist 50 bis 70 % des Coaching-Honorars. Die Antragstellung erfolgt über die lokale Industrie- und Handelskammer. Als Coaches zugelassen sind ausschließlich die in der KfW-Beraterbörse gelisteten Gründungsberater. Entscheidend für das Vorgründungscoaching ist, dass die selbständige Tätigkeit noch nicht aufgenommen ist. Die Förderung erfolgt auch unabhängig davon, ob letztlich tatsächlich der Schritt in die berufliche Selbständigkeit tatsächlich erfolgt.

Wurde die selbständige Tätigkeit bereits aufgenommen, verbleibt als Fördermöglichkeit das Gründercoaching. Es ist im Gegensatz zum Vorgründungscoaching bundesweit geregelt. Die Förderhöchstsätze betragen 75 % des Coaching-Honorars in den neuen Bundesländer und 50 % in den alten Bundesländern. Bei Gründungen aus der Arbeitslosigkeit liegt der Höchstsatz sogar bei 90 %. Dafür ist im letzteren Fall der förderfähige Höchstbetrag auf 4.000 €, ansonsten auf 6.000 € begrenzt. Der maximal geförderte Tagessatz beträgt in beiden Fällen 800 €. Bei Antragstellung darf im Fall des Gründercoachings der Beginn der Selbständigkeit nicht länger als fünf Jahre zurückliegen. Auch hier muss der Coach in der KfW-Beraterböärse gelistet sein.

Viele Steuerberater sind in dieser Beraterbörse freigeschaltet, so dass Sie auch anhand der vorliegenden Referenzen den für Sie geigneten Berater auswählen können. Der Vorteil des Steuerberaters als Coach liegt zweifelsohne darin, dass der Steuerberater Sie auch nach Ablauf des Coaching weiter betreuen kann und aufgrund seines steuerlichen Mandats mit den Rahmendaten des Existenzgründers bestens vertraut ist.

Warum der Steuerberater häufig zu spät kommt

Spätestens wenn es um die Erstellung des Jahresabschlusses oder der Einnahmen-Überschussrechnung geht, fällt auch dem letzten Existenzgründer wieder ein, dass er eigentlich einen Steuerberater benötigte.
Doch dann ist der Zug oft schon in die falsche Richtung abgefahren. Fehler allenthalben, angefangen von der steuerlichen Anmeldung über die umsatzsteuerliche Behandlung der eigenen Lieferungen/Leitungen bis zu den Fehlbuchungen in dem Freeware-Buchhaltungsprogramm, das auf die Schnelle aus dem Internet heruntergeladen wurde.

Dabei können Steuerberater (bzw. Wirtschaftsprüfer) in zweifacher Funktion den Existenzgründer von den ersten Überlegungen bis zur Realisierung seines Existenzgründungsprojekts begleiten und beraten.

Zum einen gibt es in jeder Großstadt eine Reihe von Steuerberatern, die als Existenzgründungsberater eher den Aspekt der betriebswirtschaftlichen Beratung (Unternehmensberatung) abdecken. Sie überprüfen die persönliche Eignung des potenziellen Gründers, die Geschäftsidee, erstellen in Zusammenarbeit mit ihm den Businessplan, begleiten eine Standortanalyse, beraten bei der Rechtsformwahl und sind von Berufs wegen dazu befugt, die erforderliche Stellungnahme der fachkundigen Stelle zur Tragfähigkeit der Existenzgründung für die Agentur für Arbeit zu abzugeben.

Zum anderen ist der Steuerberater von vorneherein der kompetente Ansprechpartner, wenn es im Vorfeld der Existenzgründung zu prüfen gilt, ob die beabsichtigte Tätigkeit steuerlich als freiberuflich oder gewerblich einzustufen ist. Selbst der Fragebogen der Finanzverwaltung zur steuerlichen Erfassung der Tätigkeit ist für die meisten Jungunternehmer ein schwer zu meisterndes Hindernis. Auch Fragen der Organisation der Belegablage und -aufbereitung für die Buchhaltung werden am besten vorab mit dem Steuerberater geklärt, um einem frühen Organisationschaos vorzubeugen. Schließlich und endlich steht der Steuerberater für sämtliche berufstypischen Aufgaben im engeren Sinn, wie die Führung der Buchhaltung sowie die Erstellung des Jahresabschlusses und der zugehörigen Steuererklärungen bereit.

Steuerberater als Gründungsberater

Mancher mag sich auf den ersten Blick fragen, warum ein Steuerberater ein geeigneter Gründungsberater sein sollte. Obwohl das Ausbildungsprofil eines Steuerberaters ziemlich flexibel geregelt ist, hat das Gros der Steuerberater ein wirtschaftswissenschaftliches – meist betriebswirtschaftliches – Studium absolviert und damit die Grundlagen für eine weiteres Beratungsfeld als die ausschließliche Steuerberatung gelegt. Aber auch die „Minderheit“ der sonstigen Studienabsolventen (Juristen, Finanzwirte, Wirtschaftsingenieure, Informatiker u.a.) hat innerhalb der Ausbildung zum Steuerberater eine betriebswirtschaftliche Grundausbildung erhalten.

Noch wichtiger als die Ausbildung ist allerdings die praktische Berufserfahrung der Steuerberater, die für den Existenzgründer entscheidende Vorteile bringen kann. Ein Steuerberater erlebt von Berufs wegen eine Vielzahl von Existenzgründungen in der Praxis. Er kann mitverfolgen, welche Gründungen erfolgreich sind und welche scheitern. Er sieht eine Reihe von Geschäftsideen und Konzepten und kann deren Entwicklung als steuerlicher Berater in der Regel über Jahre hinweg verfolgen. Somit kann er wesentlich mehr als nur eine einmalige Existenzgründungsberatung einbringen. Gerade die ersten Jahre der Selbständigkeit sind entscheidend fürs wirtschaftliche Überleben.

Da ein Existenzgründer ohnehin in der Regel einen Steuerberater braucht, spricht vieles für einen Service „aus einer Hand“. Der Steuerberater ist deshalb für die langfristige betriebswirtschaftliche Beratung der ideale Partner.

Willkommen auf dem Steuerberater-Blog für Existenzgründer!

Steuerberater begleiten naturgemäß seit jeher Existenzgründer auf dem Weg in die berufliche Selbständigkeit. Der Beratungsschwerpunkt Existenzgründung hat sich allerdings erst in den letzten Jahrzehnten herausgebildet.

Insbesondere die staatlich geförderte Existenzgründungsberatung hat zu einem gewissen Wettbewerb zwischen Steuerberatern und Unternehmensberatern geführt.